Ein Abend zum Einkuscheln
Nur noch
ein Tanz
Warmer Tee. Weiche Decke. Und eine etwas unruhige Pfote.
Noch nicht ganz vorbei
Suawi hatte beschlossen, dass dieser Tag noch nicht ganz vorbei sein musste.
Draussen wurde der Himmel langsam dunkelblau. Im Wohnzimmer leuchteten die kleinen Lampen, auf dem Tisch wartete eine Tasse Tee, und die orangefarbene Decke war genau dort, wo eine Decke hingehörte: über ihren Beinen, um ihren Bauch und ein kleines Stück unter ihrer linken Vorderpfote.
Nach dem Strand und einer gründlichen Dusche war ihr Fell noch etwas feucht und vom Abtrocknen ein wenig zerzaust. Suawi hatte versucht, es glatt zu streichen. An manchen Stellen hatte das Fell andere Pläne.
Nun durfte es eben so bleiben.
Alles in Pfotenreichweite
Auf dem Fernseher begann Musik. Drei Tänzerinnen traten auf eine hell erleuchtete Bühne. Ihre bunten Tücher schwebten durch die Luft, Schmuck blitzte auf, und ihre Schritte sahen so mühelos aus, als hätte noch nie jemand versehentlich auf den eigenen Schwanz getreten.
Suawi nahm einen Schluck Tee. «Das können sie gut», stellte sie fest.
Sie stellte die Tasse zurück und zog die Decke höher. In der Küche gab es noch etwas aufzuräumen. Auch die Strandtasche war nicht ausgepackt. Beides befand sich glücklicherweise ausserhalb ihrer unmittelbaren Pfotenreichweite.
Heute hatte sie eine Burg gebaut, einen Wassergraben bekommen und eine Krabbe kennengelernt. Für einen einzigen Tag war das durchaus ordentlich.
Die Pfote hatte andere Pläne
Die Musik wurde ein wenig schneller. Unter der Decke bewegte sich eine Hinterpfote.
Suawi bemerkte es zunächst nicht. Sie schaute auf die Tänzerinnen, dann auf die wehenden Tücher und schliesslich auf ihre eigene Pfote, die offenbar beschlossen hatte, an der Vorstellung teilzunehmen.
«Wir ruhen uns aus», erklärte sie ihr.
Die Pfote hielt kurz still. Dann wippte der Schwanz.
Suawi sah zur dunklen Quaste hinüber, die auf dem Sofakissen lag. Ganz langsam ging sie nach links und nach rechts.
«Du auch?»
Ein ganz kleiner Tanz
Auf dem Bildschirm drehten sich die Tänzerinnen. Suawi hob eine Vorderpfote und versuchte eine kleine, elegante Bewegung. Dabei rutschte ihr die Decke von der Schulter.
Sie fing sie auf, wickelte sich wieder ein und nickte zufrieden.
Das war fürs Erste genug Tanz gewesen.
Einen schauen wir noch
Als das Stück endete, klatschte sie leise mit den Vorderpfoten. Dann lehnte sie den Kopf ans Kissen. Der Tee war noch warm. Ihr Fell trocknete.
Suawi dachte an die Sandburg und fragte sich, ob die kleine Krabbe inzwischen den schattigsten Platz gefunden hatte.
Dann begann das nächste Lied.
Eigentlich hatte sie den Fernseher ausschalten wollen. Suawi zog die Decke bis unters Kinn.
«Na gut», murmelte sie. «Einen schauen wir noch.»
Ihre Hinterpfote war schon einverstanden.
Gute Nacht, Suawi.