Mit Suawi und Lumo unterwegs
Hinter der
nächsten Kurve
Zwei weiche Pfotenpaare. Eine grosse Portion Neugier.
Ein Freund für unterwegs
Suawi faltete die Karte auseinander. Lumo schaute ihr über die Schulter. «Wenn wir sie andersherum halten, ist es vielleicht näher», meinte er.
Suawi drehte die Karte. Dann drehte sie sie wieder zurück.
«Jetzt liegt der Wasserfall oben.»
«Dann lassen wir es lieber.»
Lumo war ihr Freund: ein grauer Plüschwolf mit weichen Ohren und einem grünen Halstuch. Genau wie Suawi war er in Wirklichkeit ein Kuscheltier. Auf Reisen sassen die beiden gern am Fenster, eng nebeneinander, während draussen fremde Orte vorbeizogen. Doch in ihren Geschichten blieb es selten bei der Aussicht.
Heute standen sie mitten in einem Wald. Es roch nach feuchtem Moos, irgendwo rauschte Wasser, und zwischen den Blättern fiel Sonnenlicht auf den Weg.
Auf der Karte war ein Tor eingezeichnet.
«Das möchte ich finden», sagte Suawi.
Lumo hob seine kleine Laterne. «Dann gehen wir schauen.»
Ein Brett nach dem anderen
Hinter der nächsten Kurve hörte der feste Weg auf. Eine Hängebrücke führte über den Bach, der sich unter ihnen in kleinen Wasserfällen über die Felsen stürzte.
Suawi setzte eine Pfote auf das erste Brett. Die Brücke bewegte sich ein wenig.
Sie nahm die Pfote wieder zurück.
«Die weiss aber schon, dass wir kommen?»
Lumo prüfte das Seil und hielt es fest. «Jetzt bestimmt.»
Er wartete, bis Suawi bereit war. Das mochte sie an ihm. Lumo sagte nicht dauernd, dass etwas ganz einfach sei. Er blieb einfach da.
Sie steckte die Karte weg, um eine Pfote fürs Seil frei zu haben. Dann gingen sie los. Ein Brett, noch ein Brett, eine kleine Pause.
An einem der nächsten Bretter war aussen eine Ecke abgebrochen. Die beiden blieben auf dem unbeschädigten Brett davor stehen und schauten genau hin. «Dann lieber in der Mitte», sagte Suawi.
In der Mitte der Brücke blieb Suawi stehen. Unten glitzerte das Wasser. Neben der Brücke wuchsen Farne aus einer Felsspalte.
«Von hier sieht man viel mehr», sagte sie.
«Darum bin ich so langsam gegangen», antwortete Lumo.
Suawi sah zu seinen Pfoten hinunter. Auch er setzte jede Pfote genau in die Mitte der Bretter.
Sie lächelte und ging weiter.
Das Tor mit der Pfote
Am anderen Ufer führte eine Treppe zu einem alten Steintor. Efeu hing über dem Bogen. Hoch oben war eine grosse Pfote in den Stein gemeisselt.
Suawi hob ihre eigene Vorderpfote und verglich.
«Hier war schon jemand vor uns.»
«Mit ziemlich grossen Pfoten», stellte Lumo fest.
Neben dem Eingang stand ein steinerner Wolf. Lumo blieb höflich stehen.
«Guten Tag.»
Der Wolf schwieg.
«Er bewacht das Tor», flüsterte Suawi.
Lumo nickte. «Dann stören wir ihn nicht bei der Arbeit.»
Gemeinsam gingen sie unter dem Bogen hindurch. Dahinter lag ein kleiner Hof voller Gras und weisser Blüten. Eine Bank stand in der Sonne. Durch eine Lücke in der Mauer konnten sie bis zur Brücke zurückschauen.
Suawi holte die Karte hervor. Der Hof war darauf nur ein winziges Viereck.
«Die Bank haben sie vergessen.»
Lumo nahm den Rucksack ab. «Gut, dass wir nachgesehen haben.»
Ein Platz auf der Karte
Auf der Bank teilten sie ihren Proviant. Lumo stellte die Laterne neben sich, und Suawi strich die Karte auf ihren Knien glatt.
Mit einem kleinen Bleistift zeichnete sie neben das Tor eine Bank. Darunter schrieb sie: «Schöner Platz für eine Pause. Zu zweit getestet.»
Eine Weile sagten sie nichts. Sie hörten das Wasser und das Rascheln der Blätter. Lumo hatte einen Moosfaden am Halstuch. Suawi zupfte ihn vorsichtig ab.
Dann zeigte er auf den schmalen Weg, der hinter dem Hof zwischen den Bäumen verschwand.
«Wo führt der wohl hin?»
Suawi schaute auf die Karte. Genau dort endete das Papier.
«Das finden wir ein andermal heraus.»
Für heute hatten sie das Tor gefunden. Nun wollten sie zurück, solange noch Sonne auf der Brücke lag. Suawi faltete die Karte zusammen, diesmal etwas sorgfältiger.
«Nächstes Mal nehmen wir eine grössere mit.»
Lumo schulterte den Rucksack. «Und mehr Proviant.»
Da waren sie sich sofort einig.
Bis zur nächsten Reise.